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Ursprüngliches

Über die Entstehung der Hand aus wissenschaftlicher Sicht

Nachdem der Quastenflosser (noch lebender, seltener Tiefseefisch des Indischen Ozeans) aus wissenschaftlicher Sicht den enormen Sprung vom Meeresbewohner zum Landbewohner geschafft hatte, zog sich die Entwicklung der Hand in stetiger Form weiter. Der Quastenflosser zeigt in jahrtausendalten Versteinerungen wie auch noch bei den letzten lebend gefangenen Exemplaren eine spezielle Anordnung der Knorpelstrukturen in den Flossen, ähnlich den Gliedmassen menschlicher Embryonen. Die Urhand ist nach Form und Konstruktion somit rund 250 Mio. Jahre alt, folglich einiges älter als der Mensch selbst. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft kann man davon ausgehen, dass sich die Greifhand der Primaten einschließlich des Menschen vor etwa 100 Mio. Jahren aus der Spreizhand von Insektivoren (Insekten fressende Reptilien) entwickelt hat (Napier 1962). Die unspezialisierte Urform der Hand ist auch älter als das menschliche Gehirn. Erst die Evolution des zentral nervösen Steuerorgans während den letzten 500’000 Jahren machte die Hand zur Hand des Menschen (von Kügelgen 1961). Parallel mit den Anpassungen der Hand/Finger an das tägliche Leben in der Entwicklung vom Reptil zum Baum- und Savannenbewohner bildete sich das Hirn um. Erst das Zusammenrücken beider Augen von der Seite nach vorne ermöglichte ein stereoskopisches (räumliches) Sehen und diente weiter der Verfeinerung der Greiffähigkeit. Neben dem Kraftgriff wurde vor allem der Präzisionsgriff (Daumen gegen Zeigefinger) weiter entwickelt. Das allentscheidende Ereignis jedoch war der Erwerb des aufrechten Ganges vor ca. 3 Mio. Jahren. Das Gehen auf zwei Beinen führte dazu, dass sich die oberen Extremitäten teilweise oder letztlich sogar vollständig von der Aufgabe der Fortbewegung befreit haben und sich so zu weiteren differenzierten Fähigkeiten ausbilden konnten.

 

Greifbar nahe

Ein Grossteil unserer Gehirntätigkeit bezieht sich auf unser begriffliches Denken. Dies hängt sehr eng mit der Greif- und Erfassungstätigkeit der menschlichen Hand zusammen, denn was wir greifen können, das wird uns auch begrifflich nahe gebracht. Etwa 66% der Menschen sind reine Rechtshänder, 4% reine Linkshänder und 30% können in unterschiedlichem Ausmaß die rechte und linke Hand gebrauchen. Familienstudien haben den Beweis erbracht, dass genetische Einflüsse für die Händigkeit verantwortlich sind. Schon seit langem diskutiert man über die

 

Zusammenhänge zwischen Händigkeit und Asymmetrien im Gehirn.

Die Händigkeit beeinflusst die Größe und die Struktur der Hemisphären genauso wie das Hirn strukturell und seiner funktionellen Differenzierung die Leistungsfähigkeit der Hand bestimmt. So besitzt dann auch die Hand und der Arm auf der sensorischen Hirnwindung (Gyrus postzentralis) anteilsmäßig das größte Areal, wovon der Daumen wiederum relativ zu seiner eigentlichen Größe das größte Areal besitzt.

 

Die Sprache der Hand

Viele Dinge der Entwicklung vom Tier zu Mensch sind uns weiterhin an der Hand abzulesen. Neben dem nach wie vor teilweise behaarten Handrücken zeigt sich bei Erregung (Fluchtreaktion), Angst und Aggressivität (Sympathikus) ein sofortiges Einstellen des Schweißflusses in der Hohlhand. Ein Menschenaffe, welcher morgens nach dem Erwachen auf den Baum klettert, bewegt sich langsam und konzentriert den Stamm hinauf, weil aufgrund der entspannenden Nachtruhe die Feuchtigkeit der Handinnenfläche zum Greifen fehlt (Aktivität des Parasympathikus). So spucken wir dann auch in die Hände, um eine bestimmte Arbeit anzupacken, z. B. um den Stiel einer Schaufel kraftvoll in den Händen zu halten, falls die Hände zu trocken sind (Simulation einer Sympathikus - Aktivität).